Blogeintrag, der dritte

Ich habe das Schicksal herausgefordert – warum nur, frage ich mich, habe ich mich darüber beschwert, zuwenig Beschäftigung zu haben???

Man muss nur warten, und schwupps, hat man den Salat.

Jetzt hab ich grad eher zu viel als zu wenig zu tun. Aber irgendwie ist das ja auch angenehm, es wird zumindest nicht langweilig. Darum: diesmal keine Beschwerden sondern demütige Akzeptanz meiner diversen Aufgaben.

 

But first things first.

 

Die letzte Woche:

 

Das deutsche Generalkonsulat:

 

Weil ich nun mit 22 das erste Mal in meinem Leben wählen darf, muss natürlich auch alles sauber durchorganisiert sein.

Aus diesem Grund ging ich letzte Woche zum Generalkonsulat, um dort meinen Brief mit dem Antrag auf Wählerregistrierung (Europawahl) mit dem speziellen, hauseigenen Kurierdienst zu verschicken.  Es soll ja auch alles ankommen, und wenn das über die normale kasachische Post liefe, hätte ich da so meine Zweifel. (Nichts für ungut, kasachische Post!)

 

Ich war also furchtbar stolz, dass ich auch den richtigen Bus erwischt hatte und fuhr zum Konsulat.

Das Konsulat selbst liegt in einem Viertel am Rande der Stadt, wo ich den so ziemlich absurdesten Kontrast von Arm und Reich zu Gesicht bekam.

Es handelte sich um eine Mischung von ehemaligem Armenviertel (einstöckige windschiefe Holzhäuser) mit amerikanischer Vorstadt Idylle  (topmodernen, in europäisch-amerikanischem Stil gehaltene Einfamilienhäusern mit grossen Autos und diskreten Videoüberwachungssystemen).

Die Holzhäuser sahen grösstenteils unbewohnt aus (aber vielleicht fehlte ja auch nur die Elektrizität, man weiss es nicht), so dass ich den leisen Verdacht hege, dass die alle rausgeschmissen wurden damit die ausländischen Gäste und reichen Kasachen da ihre Häuslein bauen können. In der Gegend gibt es nämlich einen wunderbaren Blick auf die Berge.

 

Das deutsche Konsulat hat in mir dann auch prompt gewisse…ähm…Assoziationen geweckt.

(Ms. Oatgrain, ich sag nur: Skiurlaub)

Von aussen nettes Häusschen passend zur Berglandschaft, aber bei genauerer Betrachtung ein Hochsicherheitstrakt. Um es mal jugendlich-umgangssprachlich zu formulieren: überkrasse Security.

Ich stand vor dem Konsulat und wusste erstmal nicht so recht, wie ich da nun rein kommen sollte.

Irgendwie haben mich die Wachleute dann entdeckt und auf russisch gefragt, was ich denn wolle.

Weil ich immer noch nicht so ganz drin war in der Sprache habe ich mich auf ein einfaches „ich bin Deutsche, ich will jetzt ins Konsulat“ beschränkt. Das hat sie aber nicht übermässig beeindruckt – sie öffneten zwar mal das eine Törchen, aber ich musste mich trotzdem noch abscannen lassen, mein Handy ausstellen und abgeben, meine Tasche durchsuchen lassen und durch den Metalldetektor, bevor ich mit irgendjemandem reden konnte. 

 

Mir ist nicht ganz klar, warum die diesen Belagerungszustand haben. Hab ich irgendeine beleidigende Äusserung von Steinmeier, Merkel oder Köhler gegen Kasachstan verpasst? Oder, könnte man sich fragen, haben die guten Leute Angst, das Visa nach Deutschland geklaut werden?

Der Rest war unspektakulär – nach hin und her bezüglich ausfüllen des Formulars hab ich meinen Brief abgegeben und bin zurück. Das war die Konsulatserfahrung.

 

Kasachisches Fernsehen

 

Ich habe gut gelacht, als ich das erste Mal einen Fernseher anstellte, und in einen kasachischen Gerichtsaal blickte. Der Gerichtsaal kam mir wage bekannt vor (vom Stil her zumindest) und nach ein paar Minuten dämmerte es mir dann…ich war dabei (ausversehen!), mir das kasachische Äquivalent von Richterin Barbara Salesch/ Richter Alexander Hold anzuschauen. Wie lustig ist das denn?!

Wenn ein Land so eine Gerichtsshow produziert, dann zeugt das doch von ungemein…ähm… hohem Niveau.

 

Autos – welcome to the United States of America

 

Mir ist schon bewusst, dass ein Auto ein Statussymbol ist. Aber hier wird es manchmal ein kleines bisschen übertrieben. Etwa jedes 10. Auto was ich sehe ist ein riesen Schlitten, mit dem man locker über die Steppe preschen könnte (nicht das irgendeiner von denen jemals durch die Steppe preschen würde, da bin ich sicher.)

Das allerübelste sind dann aber die Jeep - Limousinen. Eine wahre Scheusslichkeit, aber aus irgendeinem mir völlig unverständlichen Grund beliebt für Hochzeiten.

Die Braut hat einen weissen Limo-Jeep und der Bräutigam eine schwarze Jeep-Limo.

 (Alles kleine Inspiration für alle, die demnächst heiraten wollen)

 

Freunde

 

Mir wird schon ganz weh ums Herz, wenn ich daran denke, dass Marlies Mitte April wieder nach Deutschland verschwindet.

Da hatte ich nun mein perfektes „Gspönli“ gefunden, und bald ist sie nicht mehr da.

Hoffentlich finde ich einfach ganz bald wieder jemanden. (Man drücke mir die Daumen.)

Kasachen habe ich zwar schon ein paar nette getroffen, aber über Small-talk geht das (noch) nicht hinaus.

Es verbindet einen, dass ist mir jetzt jedes Mal wieder aufgefallen, meistens einfach mehr mit anderen Ausländern. Oder wenn mit Einheimischen, dann nur mit solchen, die schon in einer ähnlichen Situation waren.

Es ist wohl nicht so sehr eine Frage der Mentalität als vielmehr gemeinsame Probleme, die verbinden.

(Das ist jetzt eine Theorie – Gegenargumente werden gerne entgegengenommen)

Diese Woche werde ich mal zum deutschen (und wenn ich ihn finde, englischen) Stammtisch spazieren, da finde ich dann vielleicht noch mehr Menschen, die dauerhaft etwas mit mir zu tun haben wollen.

 

Arbeit:

 

Wie gesagt, ich hab jetzt Arbeit. Und wie’s aussieht, auch ordentlich viel.

Einerseits ist da das Uni-Projekt, weiterhin mache ich noch Buchkorrekturarbeiten und zusätzlich findet nächste Woche an der Uni eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema „die EU und Zentralasien: Strategien einer neuen Partnerschaft“ statt.

…und ich soll da eine ca. 10 minütige Präsentation liefern. (Es darf gelacht werden!)

Ach, und dann wollte ich ja noch russisch lernen und vielleicht etwas von der Stadt und vom Land sehen.

 

Ja, ja…

 

Nu, denn. Ich entschuldige mich für den verspäteten Blogeintrag (er ist mittlerweile schon etwas veraltet). Den Reisebericht (Turkistan, Shymkent) von letztem Wochenende gibt’s ganz bald

 

 

Liebe Grüsse,

 

Lena

 

22.3.09 04:18

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