Zürich – Prag – Kasachstan

Abflug um 19.15, aber wir, mit dem Sicherheitsgen (ich sag nicht von welcher Seite das Gen stammt) behaftet, waren natürlich zwei Stunden vorher am Flughafen.

Und da fingen die Schwierigkeiten auch schon an….

Obwohl ich ja notorischer Übergepäckler bin, hatte ich es dieses Mal auf einen ca. 19 Kilo schweren Koffer reduzieren können – eine Glanzleistung (und mein persönlicher Rekord) die Anerkennung verdient, möchte man meinen. Aber nix da.  

Mit der am Flughafen gekauften Schokolade kamen noch ca.2 Kilo dazu, womit ich auf 21 Kilo war…was unter normalen Umständen ja eigentlich kein Problem hätte sein sollen.

 

Nicht so aber mit dem „netten Fräulein“ vom Czech Airline Check-in. Um es kurz zu machen, sie erklärte mir, das eine läppische Kilo würde mich 17 Fr kosten. Und sie wollte das eine !läppische! Kilo auch nicht unter den Tisch kehren, weil es gibt ja Vorschriften! Papa knallte also den 50er auf den Tresen, aber so einfach war es natürlich nicht.

Wir mussten zum Ticket Center. Dort erklärte uns ein älterer Herr, dass es in Wirklichkeit 47 Franken kosten würde, und die Dame vom Check-in solle sich wegen des einen Kilos nicht so anstellen (wir applaudierten alle innerlich). Zurück zum Check-in: wir erklärten nun dem netten Fräulein, dass Lena gerne ihren Koffer zurück hätte (um Gepäck rauszuholen) – weil 47 Franken ist wesentlich mehr als 17!

Dummerweise (also vermeintlich dummerweise) ging das aber nicht mehr, weil sie den Koffer schon losgeschickt hatte, „sie könne jetzt auch nichts machen.“

Grosse Empörung auf der andere Seite des Desks – Mama, Benji, Bettina und Papa reklamierten. Es blieb für mich leider nur noch der Posten als „Guter Bulle“. (Es lebe die Diplomatie)

Im Endeffekt hat sie dann ein paar Telefonanrufe machen müssen, und das eine (läppische) Kilo (was sie ja angeblich hätte berechnen müssen) aus dem System genommen. Warum nicht gleich so?

Entschuldigt hat sie sich nicht, aber immerhin noch gefragt ob ich am Fenster oder Gang sitzen möchte.

 

Danach blieb auch gar keine Zeit mehr um irgendwas trinken zu gehen: Verabschiedung von Mama, Papa, Benji, Corina und Bettina (Lena heult) und ab durch die Passkontrolle und zum Gate.

 

Flug nach Prag lief reibungslos, und Brötchen war essbar.

In Prag hatte ich 90min Aufenthalt, die ich vor allem damit zubrachte meine Mitreisenden in der Wartehalle beinah unauffällig unter die Lupe zu nehmen. Ich kam mir jedenfalls vor wie der arme Schweizer. (Alle hatten sie Pelzchen, Louis Vuitton Täschchen und Duty free Shopping Tüten ohne Ende).

 

Als wir dann ins Flugzeug kamen, lächelte mich die erste Versuchung an: eine hübsche rote Decke und ein entzückendes Mini-Kissen, beides extrem reisetauglich und meinen grössen Verhältnissen entsprechend.

 

Dann die zweite Versuchung: als Essen serviert wurde, gab’s kein Popels Plastikbesteck, sondern richtiges, echtes Metallbesteck, Messer und Gabel in Miniatur. Miniatur hat mich schon immer begeistert, und ich musste mich wirklich beherrschen, das Besteck nicht gleich in der Tasche verschwinden zu lassen.

 

Um das Ende vorwegzunehmen: ich hatte zwar das Besteck versteckt, aber mich am Ende doch nicht getraut (ich Feigling). Wer weiss, wenn ich da noch durch einen Metalldetektor geschickt worden wäre, hätte man mir vielleicht die Einreise verweigert.

 

Ansonsten lief der Flug recht ereignislos. Der Mittelsitz war Gott sei Dank frei, und ich habe ihn auch gleich okkupiert, in dem ich unauffällig meinen Mantel und mein Buch drauflegte und mich später selbst darauf breit gemacht hab. (Für alle Leute die Witze über kleine Leute machen: wer von euch kann sich quer auf zwei Flugzeugsitze legen und gemütlich schlafen?!)

Irgendwann hab ich meiner Sitznachbarin in einem Anflug von Grosszügigkeit angeboten, dass sie auch für eine Weile zwei Sitze haben könnte. Wollte sie aber nicht. Sie wirkte eh ein bisschen humorlos, da kann man nix machen.

 

Als wir über Almaty anflogen, war ich ziemlich beeindruckt. Glücklicherweise sass ich auch auf der richtigen Seite, nämlich da wo’s Gebirge ist.

Da zieht sich also so ein Gebirgsstreifen an der ansonsten total flachen Ebene entlang, und überall sind riesige Felder und ab und an komisch geformte Flüsse und Seen. Selbst für jemanden der eigentlich an die schöne Bergwelt gewöhnt ist, toll. (Föteli kommen noch)

 

Lustig war noch, dass ich Almaty gar nich gesehen hab.

Wir kamen dem Boden immer näher, und ich dachte mir: wo ist denn nu die Stadt?

Und auch als wir landeten, sah ich erstmal nur das eine oder andere Flugzeug, und der Rest war Steppe. (Zugegeben, es war unten ein bisschen nebelig)

 

Passkontrolle – the usual, wie in Russland. Alle hübsch in Uniform mit den entsprechenden Hüten, Käppchen, Berets. Larissa, „meine“ Grenzbeamtin und Passkontrolleurin verzog keine Miene und war völlig unbeeindruckt über meinen halbherzigen Versuch zu lächeln.

 

Nach dem ich meinen Koffer vom Band gehievt hatte und nach draussen lief, wurde ich erstmal von einer Meute von Taxifahrern überfallen. Ich konnte mich grade noch so eben zum rettenden Schild „DKU“ durchkämpfen.

Sascha (mein Fahrer) und ich haben dann auch gleich erstmal Freundschaft über einer Zigarette Parisienne geschlossen.

Beim Unterhalten (oder zumindest beim Versuch des Unterhaltens) hab ich leider merken müssen wie grässlich schlecht mein Russisch im letzten Jahr geworden ist. Hoffentlich kommt’s zurück.

 

Etwas übermüdet, weil im Flugzeug schläft es sich nicht ganz so gut wie auf der Matratze, fuhren wir los gen Stadtzentrum.

Ich musste mir ein Grinsen echt verkneifen, als ich überall riesige Plakate mit dem kasachischen Präsidenten (mal freundlich lächelnd mit Kindern und Berge im Hintergrund, mal ernst und staatsmännisch mit Orden) sah. Propaganda, Scheindemokratie? Ach quatsch!

 

Ansonsten sind die Aussenbezirke von Almaty schon ziemlich runter gekommen. In Russland sah es in manchen Gegenden ja auch nicht so dolle aus, aber hier ist das noch einen Zacken schärfer.

 

Im Zentrum von Almaty herrscht Verkehrsanarchie. Apropos: für eine Sekunde dachte ich, als wir am Flughafen ins Auto einstiegen, dass man in Kasachstan links fährt. Ist aber nicht so, nur Sascha hat ein aus Japan importiertes Auto. Lustig!

Ja, die Verkehrsanarchie...Gehupe und jeder fährt wie er will. Motto: Grün ist relativ!  

 

Zu meiner Unterkunft: Aussen pfui, innen eigentlich sehr nett! Hausfassade und Treppe sind schäbig und schmutzig und der Lift im Haus hat max. 1 qm und ist um die 100 Jahre alt. Jeder der mich kennt, weiss wie unsportlich ich bin, aber ich laufe lieber acht Stockwerke!

Die Wohnung von Babuschka Galina ist aber für die hiesigen Verhältnisse recht gross und ordentlich.

Babuschka Galina selbst ist ganz nett aber resolut. (Sie wollte gemeinerweise auch nicht mit der Miete runtergehen, was nicht so toll von ihr is). Wenigstens hab ich das grösste Zimmer in der Wohnung, sogar mit Doppelbett und Fernseher. (keine Ahnung ob der funktioniert) und Balkon vor der Nase. Sehr hübsch.

 

Hab was gefuttert, geduscht, ein paar Stündchen geschlafen und dann Claudia angerufen. (die hat mir das Zimmer organisiert und mir den Fahrer vorbei geschickt.)

 

Claudia sagte, ich solle um 18 Uhr mal zur DKU kommen, und das hab ich dann auch gemacht. Habe sehr gelacht als ich durch die Eingangshalle schritt. Da hingen nämlich, neben dem Bild des kasachischen Präsidenten (ist Pflicht in Bildungseinrichtungen…so was hat noch nicht mal Putin geschafft, Respekt!), auch das Bild einer gewissen Angela M. und das eines Horst K.

(Was die können, können wir schon lange?!)

 

Ja, Claudia ist sehr nett, hat mich zur Wechselstube geschleppt und mir gesagt wo ich morgen eine SIM-Karte kaufen kann. Danach sind wir in eine kleine Kneipe gegangen, wo wenig später ihr Freund (auch total netter Typ) und Marlies (nette Praktikantin) zu uns stiessen.

 

Haben geplaudert und ich hab alle mit Fragen gelöchert. Es gibt hier wohl einen Fauxpas, der noch richtig problematisch für mich werden könnte. Es ist nämlich so, dass man sich in der Öffentlichkeit nicht die Nase schnäuzen darf! (Und das bei meiner ständig laufenden Nase!) Ist wahrscheinlich das kasachische Äquivalent zum in der Nase bohren.

 

Jetzt bin ich wieder bei Babuschka Galina, sitze auf meinem Bett und die Katze läuft ab und zu in mein Zimmer und macht ein riesen Geheul. Entweder ihr ist echt langweilig oder ich weiss auch nicht was mit ihr los ist. Der Vogel in der Küche tut mir ein bisschen leid, der lebt nämlich in einem Winzlings-Käfig auf dem Kühlschrank. Wenigstens sorgt er aber morgens für Frühlingsstimmung.  

 

Alles in allem kein schlechter Anfang. Hab schon eine Verabredung für den 20.März mit Marlies (Oper, Schwanensee) und wir haben uns überlegt, auch mal zusammen reisen zu gehen.

 

Was gibt’s noch zu erzählen? Die Zeitverschiebung ist 5 Stunden (du hattest Recht, Grosspapa) und der Eurokurs ist günstig.

 

Weder meine Sparkassenkarte noch mein ZKBkärtchen haben funktioniert. Ich hoffe, dass das kein grösseres Geldproblem wird. Ansonsten wär ich dann in ca. einem Monat zurück.

 

Das ist es für heute. Liebe Grüsse an alle und hoffentlich bis bald auf Skype (wenn ich denn mal ein internet-Cafe finde)

 

5.3.09 07:05

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